Fahrermangel in Europa: warum Ihr Transporteur Ladungen ablehnt
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Ihnen ist sicher aufgefallen, dass die Abholung einer Fahrzeugladung heute mehr Vorlauf braucht als noch vor zwei Jahren. Das ist kein Gefühl: Laut dem aktuellen Bericht der IRU (International Road Transport Union) fehlen in Europa rund 502.000 Fahrerinnen und Fahrer — eine Lücke von 13 %. Hier steht, was diese Zahl für Sie als Auftraggeber konkret bedeutet.
Eine halbe Million unbesetzter Stellen in Europa
Der Befund der IRU ist eindeutig: 502.000 Fahrerstellen bleiben in Europa unbesetzt, das entspricht 13 % des Bedarfs. Über die 18 weltweit untersuchten Märkte hinweg sind es 2,9 Millionen offene Stellen, also 11 % der Gesamtbelegschaft.
Das ist keine Saisonspitze, sondern ein struktureller Mangel, der seit Jahren besteht und alle Segmente des Straßengüterverkehrs betrifft — auch den Transport von Fertigfahrzeugen, der zusätzlich eine besondere Qualifikation verlangt: Führen eines Autotransporter-Zuges, Zurren, Bedienen der Hydraulikbühnen.
Die Altersstruktur lässt eine Verschärfung erwarten
Drei Zahlen fassen die Entwicklung zusammen: 20 % der europäischen Fahrer gehen innerhalb von fünf Jahren in Rente, ein Drittel ist bereits über 55, und weniger als 5 % sind unter 25.
Der Nachwuchs deckt die Abgänge also nicht. Selbst bei anhaltenden Rekrutierungsanstrengungen der Branche wird sich die Lücke zunächst weiter öffnen. Für Auftraggeber heißt das: Die heutige Kapazitätsknappheit ist keine Phase, die vorübergeht, sondern der neue Planungsrahmen.
Zwei von drei Transporteuren lehnen Aufträge ab
Das ist die unmittelbarste Folge für Sie: 65 % der Transportunternehmen nennen den Fahrermangel als Sorge Nummer eins, und zwei von drei lehnen mangels verfügbarer Fahrer Aufträge ab.
Wenn eine Abholung heute langsamer bestätigt wird als früher oder eine Nebenrelation zum Wunschtermin nicht bedient werden kann, liegt das selten am Kommerziellen — es fehlt schlicht der verfügbare Fahrer. Ein seriöser Transporteur nennt Ihnen lieber einen realistischen Termin, als eine Zusage zu geben, die er nicht hält.
Das erklärt auch die wachsende Lücke zwischen einem Preis auf einer Plattform und einem tatsächlich eingehaltenen Termin. Den Preis findet man leicht; knapp sind Lkw und Fahrer.
ETS2: Die Verschiebung auf 2028 ist bestätigt
Zweites Signal für Ihre Budgets: ETS2, der Emissionshandel für Kraftstoffe im Straßenverkehr. Als Referenz galt der Start 2027; die Verschiebung auf 2028 wurde am 5. November 2025 vom Rat der Europäischen Union beschlossen. Es ist also keine Annahme mehr — der Termin steht.
Als Größenordnung gelten Mehrkosten von 13 bis 15 Cent je Liter Diesel. Da Kraftstoff rund 30 % der Kosten im Straßengüterverkehr ausmacht, wirkt sich das spürbar, aber nicht brutal auf die Tarife aus — in der Größenordnung von 2 bis 3 % des Transportpreises bei gleichem Verbrauch.
Es ist also ein Aufschub um ein Jahr, keine Absage. Wer heute mehrjährige Verkehre verhandelt, sollte den Termin 2028 einpreisen — und zwar auf der richtigen Basis, nicht auf den hohen Schätzungen, die vor dem Beschluss kursierten.
Worauf Sie 2026 bei einem Transporteur achten sollten
Kein Transporteur entgeht dem Fahrermangel — wir auch nicht. Der Unterschied liegt woanders: zu wissen, was man tatsächlich zusagen kann. Wer seine Fahrer anstellt und eigene Autotransporter betreibt, kennt seine Kapazität auf den Tag genau und kann einen Termin nennen, den er hält. Ein Vermittler, der eine Leistung weiterverkauft, hängt an einer Kapazität, die er nicht steuert.
Drei Fragen lohnen sich, bevor Sie einen regelmäßigen Verkehr vergeben: Wer beschäftigt den Fahrer, der meine Fahrzeuge fährt? Auf welchen realen Termin ist die Abholung zugesagt? Wer antwortet, wenn sich der Termin verschiebt?
Spedition HTL fährt seit 2014 eigene Autotransporter mit eigenen Fahrern und greift für Spitzen auf einen zertifizierten Partner zurück. Wir nennen im Schnitt 3 bis 4 Tage zwischen Auftragsbestätigung und Beladung, danach 1 bis 2 Arbeitstage Transport auf unseren üblichen Korridoren — beobachtete Werte, keine Werbeversprechen.
